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Krebs International (DE)

In den Industriestaaten stirbt jeder 3. bis 4. Einwohner an Krebs. Trotz offiziell steigender Zahlen an Behandlungserfolgen wächst diese Zahl andauernd an. Ist es eine Epidemie?

Statistiken können nicht nur langweilen, sondern auch nützlich sein. So könnte man die Frage stellen, ob das Vorkommen und die Häufigkeit von Krebs weltweit identisch ist oder ob es Unterschiede gibt. Dann könnte man fragen, ob in den Ergebnissen Tendenzen erkennbar sind, die Rückschlüsse auf die Ursachen zulassen. Es lassen sich dann eventuell Risikofaktoren allgemeiner Art oder für bestimmte Länder heraus filtern.

Beginnen wir mit einer Gesamtübersicht (Quelle immer: http://globocan.iarc.fr ):

Cancer Incidence Worlwide
Die Unterschiede in den Regionen der Welt sind gross. An der Spitze liegen Australien, Nordamerika und Europa. Am Ende befinden sich Südwestasien und Afrika. In der Mitte finden wir Südamerika und Ostasien. Schon hier ist erkennbar, dass die Länder der sog. 1. Welt, die (bis auf Japan) von Weisshäutigen mit germanischer Herkunft besiedelt sind, das höchste Krebsrisiko aufweisen.

Da ein erheblicher Teil häufiger Krebsarten hormonell und damit geschlechtertypisch bestimmt wird, unterscheiden wir nun die wichtigsten Gruppen der Frauen (Brust, Lunge, Darm) und der Männer (Prostata, Lunge, Darm).

Frauen
Age Standardised Cancer Incidence Rate

Die Häufigkeit der weiblich-betonten Krebsarten ist sehr unterschiedlich: von unter 28.3 (auf 100.000 Einwohner) in Schwarzafrika bis über 160.6 in Nordamerika, Australien und Argentinien. Differenzen zwischen nahe gelegenen Ländern sind interessant: die Mongolei (Mongolen) gegenüber Sibirien (Slawen), Bolivien (Indios) gegenüber Argentinien (Südeuropäer), Guatemala/Belize (Maya, Indios) gegenüber Kuba (Mischung von Spaniern und Afrikanern). Es könnte die Schlussfolgerung erlaubt sein, dass mongolische und auch schwarzafrikanische Gene einen gewissen Schutz gegen Krebs bieten, wohingegen europäisch-kaukasische Gene anfälliger machen.

Schauen wir uns Afrika an: Südafrika, Nigeria, Algerien und Ägypten liegen höher als der Rest. Es sind die Länder mit dem höchsten Pro-Kopf-Einkommen und einer gewissen Industrialisierung.

Eine tabellarische Aufgliederung der Regionen bestätigt dies. Allgemein folgt die Häufigkeitsverteilung dem Wohlstandsgefälle: ein hoher Lebensstandard bewirkt offenbar eine hohe Krebsgefährdung, während Armut diese Gefahr reduziert.

Lung, Colorectum, Breast Vancer Incidence/Mortality

Hinsichtlich der Häufigkeit männlich-betonter Krebsarten sind die Befunde ähnlich. Interessant sind z.B. die Unterschiede zwischen Bolivien (Indios) und Uruguay (Südeuropäer, auch die „Schweiz“ Südamerikas“ genannt), zwischen Lesotho/Namibia/Botswana (schwarze Hautfarbe) und Südafrika (weisse Hautfarbe) oder zwischen Ost-Neuguinea (Polynesier) und Australien (Europäer).

Männer

Lung, Prostate, Colorectum Cancer Incidence RateWeiterhin fällt auf, dass die Länder in der Nähe des Äquators im Vergleich zu denen in sonnenärmeren Zonen eine deutlich niedrigere Häufigkeit aufweisen. Zwar kann nach allgemeiner Auffassung die Sonne Hautkrebs auslösen, warum aber gerade dort, wo die Einstrahlung geringer ist? Nimmt man den Süden von Amerika, von Afrika und Australien als Risikogebiete, so sind demgegenüber die Tropen und Subtropen im Vorteil. Es könnte das sog. Ozonloch über der Antarktis hierbei eine Rolle spielen.

Lung, Colorectum, Prostate Cancer Incidence Mortality

Man könnte auch vermuten, dass die Ernährung über industriell erzeugte Nahrungsmittel die Krebsgefährdung erhöht, während naturbelassene Lebensmittel trotz Armut vor Krebs schützen. Natürlich wird der Einwand erhoben werden, dass die Lebenserwartung in Afrika so niedrig liegt, dass die doch eher in höherem Alter stattfindenden Krebserkrankungen kaum zum Tragen kommen. Deshalb ist es wichtig, andere Länder zum Vergleich heran zu ziehen.

Schauen wir uns nun einzelne Krebsarten genauer an. Leukämien und Non-Hodgkin-Lymphome weisen eine Beziehung zu Strahlenbelastungen auf.

Leukaemia, Non-hodgkin Lymphoma Incidence RateHier übernimmt Nordamerika die Spitze vor Australien. Die USA haben bekanntlich eine hochentwickelte Atomindustrie. Ein anderes Phänomen: Während zuvor die Karibik und Polynesien eng beieinander lagen, trennen sie sich hier. Polynesien ist hoch, die Karibik kaum gefährdet. Man könnte einen Zusammenhang mit den vielen Atombombenversuchen im Südpazifik herstellen.
Wieder unterscheiden sich die „More developed regions“ und die „Less developed regions“ klar. Development stellt hier ein Risiko dar. Die zivilisatorische Entwicklung scheint negativ auch bezüglich dieser Krebsarten zu wirken.

Der schwarze Hautkrebs, das Maligne Melanom sollte bei Weisshäutigen vermehrt vorkommen. Dies trifft in extremem Masse für Australien zu. Es übertrifft Nordamerika und Europa bei weitem. Da die Bevölkerungen in diesen Regionen aber ähnlich sind, sollte es an der Umwelt und dem Lebensstil liegen. Aussi`s sind bekanntlich sehr sportlich und lieben das freie Landleben. Aber auch Ernährungsgewohnheiten könnten eine Rolle spielen, denn ähnlich wie in Argentinien spielt in Australien das Barbecue mit gegrilltem rotem Fleisch eine grosse Rolle.

Melanoma Incidence/MortalityDie Unterschiede zwischen Nord- und Südeuropa trotz im Süden stärkerer Sonne zeigen wieder, dass die germanisch-keltische Herkunft gegenüber den Romanen ein Risiko darstellt, grösser als das der Sonneneinstrahlung. Wie kann man aber die Differenz zwischen West- und Zentral-/Osteuropa erklären? Hier kann man nicht die Sonne heranziehen, und die Haut von Germanen und Slawen ist in etwa identisch, und Westeuropa wurde immerhin von den Römern/Romanen mit besiedelt. Man kann erneut vermuten, dass die Art der Nahrungsmittelproduktion ausschlaggebend ist: Je industrieller, umso gefährdender bezüglich Krebs.

Betrachten wir einmal nur die weiblichen und hormonell-abhängigen Tumore, so sehen wir Westeuropa an der Spitze, während Zentral-/Osteuropa klar darunter liegt. Was zeichnet Westeuropa aus? Man kann vermuten, dass es die hochentwickelte Pharma-Industrie ist, und natürlich eine hohe Quote bezüglich des Einnehmens chemischer Medikamente. Insoweit künstliche Hormone und deren Abbauprodukte sich in der Nahrung und im Trinkwasser befinden, wirken sie krebsauslösend. Identisches gilt natürlich für den Prostatakrebs bei Männern. In Süd- und Zentralasien mit niedrigster Häufigkeit spielen diese Probleme hingegen keine Rolle.

Cervix, Corpus Uteri, Breast Cancer Incidence/Mortality

Die Tumoren des Gehirns und des zentralen Nervensystems zeigen erstmalig Südeuropa an der Spitze. Weshalb? Wenn man sich dort aufhält, so fällt u.a. eines ins Auge, nämlich das permanente Telefonieren mit dem Mobiltelefon. Hier sind sie Weltmeister. Ein weiteres Indiz dafür ist die Diskrepanz zwischen Ost- und Südasien. Im Osten Asiens wird ähnlich viel mobil telefoniert, hingegen bis 2008 im Süden kaum.

Brain, Nervous System Incidence/MortalityNatürlich wird dies von den Telekommunikations-Unternehmen vehement bestritten, jedoch gibt es zunehmend häufig Hinweise für einen solchen Zusammenhang.

Die gewaltigen Unterschiede werden in einer Tabelle deutlich, in der 1/3 der Länder der Erde aufgeführt sind. Würde man eine Tabelle des Bruttosozialprodukts daneben stellen, würde man feststellen, dass zwischen Reichtum und Krebshäufigkeit eine direkte Beziehung besteht.
Es gibt jedoch auch Länder, die einen hohen Lebensstandard verbinden mit relativ niedriger Krebsrate. Hier ist es wertvoll, nach den Gründen zu forschen. Nehmen wir positiv Griechenland und Japan im Vergleich mit Belgien und Irland.
Griechenland beherbergt die sog. Kreta-Diät, relativ wenig Industrie, eine alteingesessene Landwirtschaft und einen – abgesehen von den Innenstädten – ruhigen Lebensstil.
Japan ist zwar hochzivilisiert, pflegt aber eine maritime und pflanzlich-betonte Kost, Schwerindustrie gibt es nur an den Küsten, allerdings viele Zen-Tempel, -Gärten und Ruhezonen.
Belgien kennt eine schwere Kost mit Frittiertem und Gebratenem, die Landwirtschaft produziert viele Kartoffeln und Fleisch, die Psyche des Landes ist vom Streit zwischen den Volksgruppen belastet, es gibt keine wesentliche Ruhekultur.
Irland wurde zu schnell zu reich und leidet unter grossen Schuldenbergen, die Ernährung stellte sich um auf Fast Food, die Landwirtschaft ähnelt der Belgiens. Ruhe gibt es quasi nur im Pub beim Bier. Und bedenken wir, dass hier der keltisch-irische Typ vorherrscht: rötliche Haare, bleiche Haut mit Sommersprossen, viele Allergien und Lymphflussstörungen. Ein langsamer Lymphfluss aber gehört zu den wichtigen, wenngleich kaum bekannten Risikofaktoren.

Country Rate of Frequency Distribution of Cancer Incidence

Yemen 9.64

Gambia 12.24

Niger 13.13

Tanzania 14.33

Tajikistan 15.31

Ethiopia 15.59

Botswana 16.12

Eritrea 16.16

Djibouti 16.42

Sudan 16.79

Malawi 17.39

Somalia 18.18

Bhutan 18.29

India 18.88

Lesotho 19.11

Uzbekistan 19.61

Comoros 19.90

Afghanistan 20.12

Egypt 20.83

Saudi Arabia 29.14

Iran, Islam Rep 29.36

China 66.57

Albania 75.7

Turkey 77.08

Guyana 79.74

Venezuela 80.43

Brazil 82.24

Greece 86.08

ChineseTaipe i96.21

Ukraine 98.38

Singapore 99.53

Romania 102.09

Japan 103.01

France, La Reunion 110.07

RussianFederat 110.28

Bulgaria 110.42

Unit Kingdom 139.94

Poland 147.53

Italy 148.91

Slovakia 149.60

Spain 150.20

Austria 155.75

Switzerland 160.78

Netherlands 162.86

Sweden 165.32

US of America 167.38

Germany 170.31

New Zealand 173.27

Czech Republic 176.65

Australia 183.95

Canada 187.28

Uruguay 190.09

Norway 193.68

France 202.01

Belgium 204.35

Ireland 208.72

Der positive Spitzenreiter in Europa ist Albanien, das lange Zeit keinen Zugang zum westlichen Lebensstil hatte und immer noch als armes Land zu bezeichnen ist. Es zeigt, dass scheinbare Rückständigkeit im Blick auf die Gesundheit durchaus von Vorteil sein kann. Der sog. „American-way-of-life“ ist per se als ein Risikofaktor für Krebs zu bezeichnen.
Man kann konstatieren, dass ein Leben nicht weit weg vom Äquator, mit eher niedrigem Lebensstandard, mit natürlicher Ernährung, ohne chemische Mittel und mit einem ausgeglichenen, stressarmen Lebensstil das Risiko eines Krebs reduziert, hingegen ein Leben in Sonnenarmut und Kühle, in relativem Wohlstand, mit industriell-hergestellter Nahrung, viel Chemie und einem stressigen Lebensstil das Risiko erhöht.
Betrachten wir einmal ein einzelnes Land und greifen Deutschland heraus, so sehen wir, dass die hormonell abhängigen Krebsarten beider Geschlechter an der Spitze sind, daneben der Darmkrebs und die Lungen. Interessant ist der Vergleich der Krankheits- (rote Balken) und der Sterbehäufigkeit (blaue Balken), da sich hierdurch Rückschlüsse auf die Heilungsquoten ergeben. Geringe Heilungschancen bestehen bei den Tumoren von (Reihenfolge) Pankreas, Lunge, Magen, Leber und Gehirn. Gute Heilungschancen bestehen bei den Tumoren von Schilddrüse, Prostata, Harnblase, Uterus-Corpus, Melanomen, Hoden und Brust.

Germany Cancer Incidence/MortalityNeben den erwähnten Gefahren für hormonell abhängige Organe durch Stoffwechselprodukte künstlicher Hormone beinhalten diese Krebsarten den Vorteil, dass sie durch antihormonelle Therapien oft erfolgreich behandelbar sind. Was aber zeichnet die Lungen und den Darm aus?
Die Lungen (zumeist Krebs der Bronchien) sind offen für die Luft der Umwelt. Deren Belastungen haben offenbar klar negative Effekte. Offiziell wird das Rauchen diesbezüglich angeprangert, jedoch ist dies nur ein Risikofaktor von mehreren. Industrie- und Autoabgase spielen eine wichtigere Rolle.
Der Darm ist offen für die zugeführten Nahrungsmittel. Es ist eindeutig so, dass eine natürliche Ernährung mit genügend Ballaststoffen vor Darmkrebs schützt, wohingegen eine industrielle Ernährung gefährdend wirkt.
Nimmt man alle angeführten Risikofaktoren zusammen, so muss man aufführen, dass die Industrie in den Ländern der 1. Welt das höchste Krebspotential bereit stellt. Es sind u.a.: künstliche Hormone, Abgase und chemische Emissionen, künstliche Nahrungsmittel, Emissionen von Atomkraftwerken. Alles, was denaturiert ist, kann zu Krebs führen.

Kann man etwas über die zukünftige Entwicklung aussagen? Es gibt sehr differenzierte Hochrechnungen mit einem Vergleich von 2008 und 2015 unter Berücksichtigung demographischer Faktoren. Danach werden die Krebsfälle in Deutschland von Männern ansteigen von 261.000 auf 294.000/Jahr (Anstieg um 13%), die von Frauen von 219.000 auf 235.000 (Anstieg um 11%). Ein Zuwachs von über 10% in nur 7 Jahren ist sicher bedenklich.

Germany
All cancers excl. non-melanoma skin cancer

Year Estimated number of new cancers (all ages) Male Female Both sexes
2008


261173 218688 479861

ages < 65 85255 81892 167147

ages >= 65 175918 136796 312714
2015


293949 234339 528288

ages < 65 95478 88528 184006

ages >= 65 198471 145811 344282

Demographic change 32776 15651 48427

ages < 65 10223 6636 16859

ages >= 65 22553 9015 31568
GLOBOCAN 2008 (IARC) – 27.10.2010

(Population forecasts were extracted from the United Nations, World Population prospects, the 2008 revision.
Numbers are computed using age-specific rates and corresponding populations for 10 age-groups.)

Jeder Mensch hat jedoch noch immer die Freiheit, über seinen Wohnort, seine Arbeit, seine Naturnähe und seinen Lebensstil zu entscheiden. Je mehr er sich in die Konsumentenmentalität einfügt und sich manipulieren lässt, umso gefährlicher ist es für ihn. Je natürlicher, leichter und lockerer er lebt – auch „Leben als aktives DLE“ genannt – umso besser.

Dr. med. Manfred Doepp

November 2010

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